Stauden umsonst – der Trick, den dein Garten nicht vergisst
Die Preise in Gartenmärkten steigen stetig, und Beete sehen nach ein paar Saisons oft aus, als hätte eine langanhaltende Dürre über sie hinweggefegt. Dabei liegt die Lösung direkt vor deinen Füßen.
Es gibt eine Methode, mit der du neue Pflanzen für 0 Euro bekommst: das Teilen von Stauden. Die Technik gilt vielleicht als altmodisch, zeigt aber schneller Wirkung, als die meisten erwarten. Du erhältst dabei einen echten Klon der Mutterpflanze – Farbe, Wuchs und Blütezeit bleiben zuverlässig gleich. Das ist der sicherste Weg zu einem dichteren Beet, ohne das Risiko, dass Sämlinge plötzlich „ganz anders" aussehen.
Es gibt allerdings einen Haken: Eine schlecht durchgeführte Teilung kann die Pflanze schwächen und die Blüte für eine ganze Saison unterbinden. Deshalb kommt es auf den richtigen Zeitpunkt, das Wetter und einige Handgriffe an, die den Stress für die Pflanze auf ein Minimum reduzieren. Richtig gemacht, zahlt sich die Arbeit fast sofort aus.
Wann teilen, ohne Blüten zu opfern oder Arbeit zu verschwenden
Die sicherste Regel lautet: teile außerhalb der Blütezeit, denn dann verbraucht die Pflanze keine Energie für ihre Blüten. Sommer- und herbstblühende Stauden werden im frühen Frühling geteilt, frühjahrsblühende dagegen im frühen Herbst. Dieser Rhythmus schont die Wurzeln und beschleunigt die Erholung spürbar.
In der Praxis empfiehlt sich der Eingriff alle 3 bis 5 Jahre, wenn die Pflanze sichtbar an Vitalität verliert und der Horst sich zunehmend altert. Junge Pflanzen im zweiten Standjahr sollte man in Ruhe lassen – ihr Wurzelsystem ist noch zu zart. Besser ein bisschen warten und wenige kräftige Teilstücke gewinnen als viele schwache.
Wähle einen bewölkten, mäßig warmen Tag – ohne Frost und ohne Hitze. Wässere das Beet bereits einen Tag vorher gründlich: Feuchte Erde lässt sich leichter lösen und zerrt weniger an den Wurzeln. Dieses kleine Detail entscheidet oft darüber, ob die Teilung reibungslos oder nervenaufreibend verläuft.
Den Horst Schritt für Schritt teilen – ohne Zerbrechen und ohne Panik
Beginne damit, die Pflanze ringsum in etwa 20 cm Abstand vom Horstrand auszustechen. Am besten eignet sich eine Grabegabel, weil sie den Wurzelballen hebt, anstatt ihn zu durchtrennen. Hebe ihn von mehreren Seiten gleichmäßig an, bis der gesamte Horst in einem Stück herauskommt.
Schüttle die Erde ab oder spüle die Wurzeln vorsichtig ab, um die lebendigen Triebe gut erkennen zu können. Entferne den verholzten, hohlen Mittelteil und behalte ausschließlich die jungen Randbereiche. Jedes Teilstück sollte Wurzeln und mindestens 3 Knospen oder gut erkennbare Wachstumsaugen besitzen.
Bei besonders dicht verwachsenen Wurzeln trennst du sie ruhig und ohne Kraftaufwand. Zwei gegeneinander gestellte Grabegabeln lassen sich auseinanderhebeln, ohne den Ballen brutal auseinanderzureißen. Je weniger ausgefranste Wunden entstehen, desto geringer das Krankheitsrisiko und desto besser der Start der neuen Pflanze.
Einpflanzen nach der Teilung – der Moment, wo am meisten schiefgehen kann
Setze die neuen Teilstücke sofort ein, denn ausgetrocknete Wurzeln können selbst robuste Stauden ruinieren. Grabe ein Loch in aufgelockerter Erde und gib Kompost dazu – verwandle das Beet aber nicht in ein schweres, nasses „Moorland". Die Pflanze soll schnell anwurzeln und nicht im Wasser stehen.
Vergrabe den Wurzelhals niemals zu tief – das ist ein direkter Weg zur Fäulnis. Drücke die Erde fest an, forme eine kleine Gießmulde und wässere kräftig: etwa 5 Liter pro Teilstück. Mulche anschließend, damit die Feuchtigkeit nicht entweicht, sobald die erste Trockenperiode kommt.
Bei großen Blättern empfiehlt es sich, diese um ein Drittel zu kürzen – die Pflanze kann vorübergehend ohnehin nicht genug Wasser aufnehmen. In den folgenden zwei bis drei Wochen ist eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit entscheidend, besonders auf leichten Böden. Diese kurze Phase bestimmt, ob du dich schon bald über sichtbare Ergebnisse freust oder enttäuscht wirst.
Woran du erkennst, dass es wirklich Zeit ist – und nicht nur Ungeduld
Das häufigste Anzeichen ist eine kahle Mitte im Horst mit einem Kranz aus Blättern am Rand. Hinzu kommen kleinere Blätter, schwächere Triebe und eine Blüte, die einfach keinen Eindruck mehr macht. Die Pflanze wirkt, als wäre sie von ihrer eigenen Masse erschöpft.
Stell dir einen Funkie- oder Taglilienhorst vor, der seit sechs Jahren am gleichen Standort wächst. Nach der Teilung lassen sich aus einem einzigen Ballen 4 bis 5 kräftige Pflanzen gewinnen, während der alte Horst gleichzeitig wieder an Vitalität gewinnt. Das ist einer der seltenen Garteneingriffe, der gleichzeitig verjüngt und vermehrt.
Eine Hobbygärtnerin aus München, etwa 42 Jahre alt, teilte im Herbst einen Taglilienhorst an ihrer Terrassenrabatte, weil die Mitte kahl und leblos aussah. Im folgenden Frühling zählte sie fünf neue Ableger, mit denen sie eine kahle Stelle am Zaun bepflanzte – ganz ohne Einkauf im Gartenmarkt. Sie erzählte, dass die größte Erleichterung in dem Moment kam, als sie die ersten Knospen sah und wusste, dass sie nichts „kaputtgemacht" hatte.
- Stauden außerhalb der Blütezeit an einem milden, bewölkten Tag teilen
- Junge Randbereiche des Horstes verwenden und den verholzten Mittelteil entfernen
- Sofort einpflanzen, den Wurzelhals nicht zu tief setzen und nach dem Pflanzen reichlich wässern
- Für 2 bis 3 Wochen auf gleichmäßige Feuchtigkeit achten und das Kürzen der Blätter erwägen













